Dann kommt die Stunde der Wahrheit: Wiederholung der Messung der Abgastemperatur nicht weit vom Kamin-Dachdurchtritt. 60 Grad! Am Heizkessel liegt die Abgastemperatur zwar viel niedriger als vorher, aber dadurch, dass die Abgase das dünnere Edelstahlrohr schneller durchströmen, dadurch, dass das dünnere Edelstahlrohr eine kleinere Oberfläche hat, und dadurch, dass die Lufthülle um das Edelstahlrohr eine dämmende Wirkung hat, können die Abgase ihre Wärme schlechter über den Kamin ans Haus abgeben, sodass die (für die wirklichen Abgasverluste entscheidende) Abgastemperatur im oberen Kaminbereich durch die Modernisierung nicht etwa sinkt, sondern sogar steigt! Ich habe soeben DM 12.000 dafür ausgegeben, meine Abgasverluste zu erhöhen!
OK, bis hierhin war dies ein fiktives Szenario. Das Problem: Es sieht so aus, als ob hier Fiktion und Wahrheit sehr dicht beieinander liegen.
Das Problem wurde ursprünglich von dem Saarbrücker Physiker Dr. Gerhard Luther angesprochen, siehe weiterführender Link unten und:
- Die "Wärmerückgewinnung" des Kamins wird unterschlagen, Elmar
- Folgenschwerer Denkfehler in der Kleinfeuerungsanlagen-Verordnung,
Die alten Kleinfeuerungs-Anlagen-Verordnung begrenzte zwar die Abgasverluste der FEUERUNGSANLAGE (= Kessel + Kamin), aber trotzdem wurde die Abgastemperatur am Kessel gemessen.
In der neuen Kleinfeuerungs-Anlagen-Verordnung wurde die Inkonsistenz beseitigt. Aber nicht etwa dadurch, dass die Abgastemperatur am einzig sinnvollen Ort, nämlich oben im Kamin gemessen würde! Sondern vielmehr dadurch, dass das Wort "Feuerungsanlage" durch das Wort "Feuerungsstätte" ersetzt, und damit der Kamin und die Wärmerückgewinnung im Kamin unterschlagen wird.
Die VDI Nachrichten schreiben entsprechend:
"Nach Inkrafttreten der Novelle der 1. BImSchV werden in Deutschland vermutlich weitere Hundertausende wenn nicht Millionen von herkömmlichen Kaminen versotten und danach saniert oder ersetzt werden müssen", wettert der Saarbrücker Physiker, Nach der "Sanierung" komme dann aus der Feuerungsanlage in vielen Fällen nicht mehr und nicht weniger [Abgasverluste] heraus wie bisher. Für eine bloße Verschiebung von Wärmeströmen müssten viele Hausbesitzer mehrere tausend DM und die deutsche Volkswirtschaft Milliardenbeträge aufwEnden. Ende Zitat
Also WENN wir schon einen nicht unerheblichen Teil des Bruttosozialproduktes einsetzen, um Energie zu sparen, DANN sollten wir das Geld und die Arbeitskraft doch so einsetzen, dass es auch NACHWEISLICH Energie spart, also nicht als bloße Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen endet?
Da ist es ja wirklich noch viel sinnvoller, in eine Solaranlage zu investieren! Das amortisiert sich zwar auch nicht, aber es spart wenigstens ein paar hundert Liter Öl pro Jahr!
Ich wäre dankbar für Kommentare aus der Praxis, ob kurz oder lang, zu diesem Thema. Ist die Problematik im allgemeinen Bewusstsein verankert? Bin ich der einzige, der bisher noch nie etwas davon gehört hat?