Es sei mir erlaubt, ein paar Erfahrungen, die ich mit meinem Hausbau gemacht habe, hier in diesem Unterforum Planung zu veröffentlichen. Ich möchte damit all denen einen Hinweis geben, die sich momentan in der Planungsphase befinden und kurz vor der Entscheidung stehen, mit einem Generalunternehmer einen Vertrag abzuschließen.
Zu meiner Situation:
Ich habe im Februar 2005 bei einem ortsansässigen Bauunternehmer einen Bauvertrag über die Errichtung eines Einfamilienhauses abgeschlossen. Der Bauunternehmer hatte bis dahin einen guten Ruf und galt als seriöser und liquider Geschäftsmann.
In dem Bauvertrag wurde als Zahlungsplan folgende Staffelung vereinbart
... 20 % nach Beginn der Erdarbeiten
... 10 % nach Fertigstellung der EGAbk. Decke
... 17,5 % nach Rohbaufertigstellung
... 7,5 % nach Fertigstellung der Innenputzarbeiten
... 40 % nach Fertigstellung der Estricharbeiten
... 5 % nach Gesamtfertigstellung und Hausübergabe
Auch mir als Laien ist bei diesem Zahlungsplan klar geworden, dass ich immer mit mindestens der Hälfte einer Staffelrate in Vorleistung gehen musste. Trotzdem sah meine Bank keinerlei Probleme darin, meinte vielmehr, dass dies bei einem Generalunternehmer "üblich" sei.
Tja, was einige von euch wahrscheinlich schon ahnen ist dann auch prompt eingetreten. Der Rohbau wurde Ruck zuck fertig gestellt. Auch der Dachstuhl war wenig später aufgerichtet. (Der Zimmermann, der mit seinem Bruder auch gleichzeitig die Verkupferungen am Dachstuhl / Regenrinne ausführte erzählte mir noch beim Richtfest ganz stolz, das er es jetzt erstmalig geschafft habe, beim Bauunternehmer mit seinem Dachstuhl "zum Zug" zu kommen und den bisherigen Zimmerer "aus dem Rennen" geworfen habe.). Auch die Elektroinstallation ging (auf Leerohrebene) noch zügig von statten. Gleiches galt für die Rohinstallation für Wasser und Heizung. Und Innenputz.
Dann allerdings ging plötzlich über Wochen und Monate nichts mehr weiter. Der Estrich konnte nicht eingebracht werden, weil die Schlangen für die Fußbodenheizung von der Heizungsfirma einfach nicht gelegt wurden.
Nachdem ich über mehrere Wochen täglichen Telefonierens nicht weiterkam, übergab ich die ganze Angelegenheit einem Anwalt. Und erst über diesen Weg erreichte ich, dass an meinem Haus weitergebaut wurde, allerdings immer wieder mit neuen Handwerksfirmen, die vorher eigentlich auf keiner mir übergebenen Handwerkerliste auftauchten. Mittlerweile ist das Haus bis auf die Außenanlage fertig gestellt. Im Zuge dieses Weiterbaues bekam ich dann in der Regel auch ca. 4 ... 6 Wochen nach Fertigstellung der einzelnen Gewerke immer wieder mal einen Anruf der Handwerksfirmen, wieso ich mit der Leistung nicht zufrieden sei und wieso ich eigentlich beim Generalunternehmer reklamieren würde. Und da wurde mir klar, dass mein Bauunternehmer die Rechnungen der einzelnen Handwerker nicht bezahlt hatte mit der Begründung, ich (als Bauherr) wäre mit der erbrachten Leistung nicht zufrieden.
Ich möchte euch jetzt nicht mit allzu langen Ausführungen mit meiner Bauerlebnissen aufhalten.
Anfang der Woche bekam ich einen Anruf von einem weiteren "Opfer" meines Bauunternehmers. Dieser Bauherr aus dem Nachbarort hatte im Sommer mit dem gleichen Bauunternehmer einen Vertrag abgeschlossen, und seine Story deckte sich exakt mit meiner, außer in einem Punkt: Er hatte bereits nach obigen Zahlungsplan die vorletzte Rate bezahlt (und damit 95 % der Bausumme) bei ihm fehlen aber noch unzählige Gewerke (Heizungsfertigstellung, Heizanlage, Sanitärfertigstellung, Sanitärobjekte, Fliesen, Elektrofertigstellung, Treppe, kompletter Trockenbau, Malerarbeiten ...). Er hatte das Pech, dass er 5 Monate nach mir abgeschlossen hatte und dadurch anscheinend in die Phase geriet, wo die finanzielle Situation meines Bauunternehmers sich noch mehr verschlechtert hatte. Mittlerweile geht bei dem Bauunternehmer "gar nichts mehr". Und diese Situation hat sich anscheinend schon bei allen Handwerkern in der Gegend rumgesprochen.
Fazit des ganzen und damit auch die Empfehlung an alle Bauwilligen, damit ihr nicht in das Dilemma kommt, 95 % bereits bezahlt zu haben und immer noch auf einem Rohbau zu sitzen:
- Macht euch eine Aufstellung aller Einzelgewerke
- Lasst euch von einem Fachmann den ungefähren Wert der Einzelgewerke nennen oder hinterfragt diesen Wert hier in den einschlägigen Foren.
- Versucht einen möglichst detaillierten Zahlungsplan aufzustellen mit dem Ziel, in möglichst kleinen Einzelraten immer nach Abschluss eines Gewerkes die entsprechende Summe zu zahlen.
Und falls euer Generalunternehmer da nicht mitmachen will und auf seinen "Standard-Zahlungsplan" verweist, analysiert diesen ganz genau, welche Gewerke bei den einzelnen Schritten Raten zwanghaft fertig sein müssen. Nehmt euch den in meinem Bauvertrag vereinbarten Zahlungsplan immer als abschreckendes Beispiel vor.
Ich selber hatte anscheinend noch ein riesen Glück bei der Sache, der Bauherr im Nachbarort wird vermutlich auf einer hohen 5 stelligen Summe "sitzen bleiben".
Ich hoffe, ihr habt Nachsehen mit dem langen Text, aber das Ganze musste einfach mal aufgeschrieben werden
Gruß und noch ein schönes Wochenende
Manfred