Tipps zur Produktvermarktung Ist das tatsächlich so? Wie ungeeignete Baustoffe ihren Weg ans Bauwerk finden:
1. Der Ausschreibungsverantwortliche im Bauamt oder freiem Büro - oft eine ausgekochte Planungsflasche ohne Baustoffkenntnis - nimmt die von Produktherstellern gebotene Marketingwaffe "Ausschreibungshilfe" dankend an. Sie erspart ihm Arbeit und liefert dem selbstständigen Mindestsatzunterschreiter evtl. Honorar ohne eigene Leistung. Von den dadurch aufgespeckten Weihnachtsbesuchen reden wir hier nicht.
2. Es erscheint folglich ein Produzentenvertreter (den man schon vom "Weihnachtsbesuch" kennt) und "berät" den Ausschreiber betreffend Produktauswahl. Der Vertreter - ein angelernter und in üblen Marketingtricks geschulter Handwerker, Kaufmann oder gar Ingenieur bzw. Wissenschaftler - überblickt weder die VOBAbk., die Einsatzgrenzen und Risiken seiner unüberschaubaren Produktpalette noch die technischen Zusammenhänge im Altbau. Er will/darf ja nicht neutral und objektiv beraten, sondern muss verkaufen. Und evtl. durch Scheinpositionen seine Handwerksspezln bevorzugen. Aus Vertreterkreisen ist zu hören, dass über 90 Prozent der Planer so vorgehen. Manche übernehmen nach gewisser Lehrzeit die Beschreibungstexte, das erspart dem Produkthersteller dann Zeit - aber nicht immer Geld. Manche Planer wechseln auch die Produkte wie andere das Hemd, um herauszufinden, welcher Mitwettbewerber am meisten springen lässt. Diese Frage kann der Planer zu einem erfolgserhöhenden Bäumchen-wechsle-dich-Spiel ausgebauen. Das fällt dann noch weniger auf, wenn ab und zu die Pferde gewechselt werden. Der gewünschte Erfolg für die Beteiligten ist immer ziemlich sicher: In über 90 Prozent der so manipulierten Ausschreibungen funktioniert die Produktplatzierung tatsächlich - trotz mancher Versuche des Produktaustauschs von Bieterseite. Der Planer macht nämlich dem mit einem Alternativprodukt Wenigstbietenden vor Auftragserteilung unmissverständlich klar, dass "der Auftraggeber" genau das ausgeschriebene Produkt will. Und keine Konkurrenz. (Sonst fließt das versprochene Weihnachtströpfchen ja nicht so füllig durchs Planungsbüro. Wer gibt sich schon mit Wermutstropfen zufrieden?) Der private Bauherr als Baulaie ahnt davon nichts. Wenn er doof fragt, bekommt er etwas von "besonderer Bewährung" genuschelt. Und ein fachkundiger Bauherrnvertreter versteht davon auch zu profitieren ... Erfahrene Hersteller bevorzugen sogar gleich die Bau- und Fachbehörden, vorzugsweise "geneigte" Herrschaften und Dämlichkeiten in Organisationen rund um die alten Buden. Das ist schön, wenn solche Multiplikatoren spuren und sogar substanzschädigende Produkte auf die morschen Mauern hetzen. Jeder denkt sich, was gemeint ist - ich schreib's trotzdem nicht. Ätsch.


